Loose Spieler spielen zu viele Hände, während tighte nur wertvolle und ausbaufähige Starthände spielen. Aus diesem Grund ergibt sich schon vor dem Flop ein gewisser Vorteil gegenüber dem loosen Spieler.
Passive Spieler hingegen callen zu viel, raisen und folden zu wenig. Da das natürlich kein Winning-Poker sein kann, ist Aggression der Schlüssel zum Erfolg.
Alles in einen Topf geworfen ergibt sich die Einteilung, dass der "beste" Spieler der TAG sein muss. Vor allem im Internet wird er sich immer durchsetzen können und als Winning-Player spielen können. Entweder beim Level-Aufstieg oder dem Wechsel zum Live-Poker bekommt er häufig Probleme, die schon beim tighten Spiel losgehen.
Ein Nachteil eines jeden tighten Spielers ist es leichter zu lesen zu sein. Erhöht ein TAG in erster Position an einem Neunertisch auf den dreifachen BB, so kann man (je nach Grad der Tightheit) eine Hand-Range von AA - 99, AK und AQs ansetzen. Und hier bekommt er schon ordentliche Probleme, weil es zu wenige Hände sind, die für diesen Raise sprechen. Ein starker Spieler, nennen wir ihn aus unerklärlichen Gründen einmal Gus kann sich am Button mit Any Two Cards hinhocken und ihn ausspielen.
Er kann z.B. vor dem Flop, wenn alle zu ihm gefoldet haben callen und warten was der TAG out of Position nach dem Flop macht. Zu 90 % wird dieser eine Continuation-Bet ansetzen, aber er wird davor zurückschrecken weitere Chips am Turn in Ace high zu investieren. Durch diese Informationen bringt sich der TAG selbst in Schwierigkeiten, vor allem, wenn es sich um einen selbsternannten TAG handelt.
Als solche würde ich Spieler bezeichnen, die zwar die richtigen Werte aus ihren Programmen bekommen und sich demnach TAG nennen, aber Probleme mit der Kontrolle ihrer Aggressivität haben. Nach der Definition spielen sie tight und nach dem Flop auch aggressiv, aber meist eben zu aggressiv. Es wird zwar (richtigerweise) überall gepredigt tight-aggressiv zu spielen, aber leider zu selten, dass folden und Passivität am Flop wichtige Faktoren sind!
Angenommen ein TAG sitzt mit KK in EP und erhöht auf den dreifachen BB. Die Stacks sind sehr tief und alle Gegner eher loose und passiv. Ein Spieler callt aus MP und der BB auch.
Flop: 59A (3 Suits)
BB checkt, der TAG macht seine Contibet. MP und BB callen.
Wir gehen hier von guten Gegnern aus, die das Spiel durchaus verstehen, aber eben dazu neigen loose und passiv zu spielen.
Durch diese beiden Calls sollte der TAG schon mit der Hand abgeschlossen haben. Die Calls der beiden signalisieren schon eine gewisse Stärke. Vernünftige Draws sind hier nicht möglich und der TAG repräsentiert das Ass bzw. macht deutlich keine Angst davor zu haben. MP callt die Contibet im Sandwich und BB ist nach wie vor out of Position, sowohl absolut, als auch relativ.
Hier ist mindestens ein Ass oder ein Set unterwegs, das der TAG auch mit einem zweiten und dritten Bullet nicht zum folden bringen wird.
Ein guter TAG erkennt das und zieht sich zurück, ein selbsternannter TAG feuert weiter und bildet einen großen Pot in dem er zu 80 % großer Underdog mit 2 Outs ist.
Passivität nach dem Flop ist ebenso eine Tugend wie Tightness vor dem Flop. Auch nach dem Flop gilt es sich gute Punkte für Aggression auszusuchen und alle wichtigen Faktoren in Betracht zu ziehen und nicht einfach drauflos zu feuern.
Und wenn man aufgrund seiner Zurückhaltung einmal die bessere Hand wegwirft? So what. Wer nicht die beste Hand (nicht die Nuts, sondern im Vergleich zum Gegner) folden kann, callt ganz einfach zu viel. Wer sich nicht aus dem Pot bluffen lassen kann, callt auch zuviel. Gute Laydowns zu machen gilt als eine der wichtigen Punkte, die einen sehr guten Spieler ausmachen. Es geht nicht immer darum viel Geld zu gewinnen, sondern auch möglichst wenig zu verlieren.
Der wirklich gute TAG unterscheidet sich also wie folgt von einem status quo-TAG:
Er variiert vor dem Flop sein Spiel ausreichend, so dass er nicht zu leicht zu lesen ist. Darüber wird häufig gestritten und ich bin der Meinung, dass wirkliche Variation nur erfolgen kann, wenn der Gegner in gewisser Weise überrascht wird. Es geht hier nicht nur um die Call und Raise-Verteilung, sondern auch um die gespielten Hände. 67s in EP an einem vollen Tisch ist für einen TAG ein klarer Fold, aber manchmal auch einen Raise wert (zumindest bei relativ tiefen Stacks). Dieser Semi-Bluff vor dem Flop hat nicht nur den Vorteil das Spiel ordentlich zu variieren, sondern auch die hohen Implied Odds, die man von loosen Gegnern bekommt. Bei einem Flop von 345 wird es verdammt schwierig für unseren Gus sein Vierer-Set zu folden. Was loose Spieler wie Gus so erfolgreich macht ist es verdeckte Hände zu spielen und Dominierung aus dem Weg zu gehen. Er wird einen Raiser aus EP am Button viel lieber mit 97s als mit K9 callen.
Der zweite wichtige Unterschied zwischen TAG und TAG ist die Aggression nach dem Flop. Natürlich ist es nicht möglich dieses Thema auch nur anzureissen, aber die Idee ist klar: Folden, bzw. Check-Folden, wenn man glaubt geschlagen zu sein, nur in geeigneten Situationen bluffen und auf alle wichtigen Faktoren achten, die die Hand des Gegners näher beleuchten. Damit meine ich va Hand-Reading, was in jeder Situation unglaublich wichtig ist und gute Spieler von Weltstars unterscheidet.
Ich möchte hiermit nur anregen, dass diejenigen, die glauben als TAG unfehlbar zu sein, weil sie mathematisch die richtige Strategie verfolgen, ihre Meinung nur einmal überdenken und ihre eigenen Nachteile ins Gedächtnis rufen sollten. Trotzdem seid ihr auf dem richtigen Weg!




) Durch die so gewonne Chips kann mann es sich bequem leisten die nächsten 1-2 Stunden nur noch die paar beschriebenen Hände zu spielen und zwar agressiv bis zum River.

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