Posts Tagged ‘Chris Ferguson’

Full Tilt: Bremst Chris Ferguson den Deal mit der GPT aus?

Sonntag, Januar 29th, 2012

Chris FergusonFull Tilt Poker Vorstandsmitglied Chris Ferguson versucht zur Zeit, an eine Summe von mehr als 14 Millionen Dollar heranzukommen, die er dem Pokerroom zur Begleichung von Ausgaben im Anschluss an die Indictments des Black Friday zur Verfügung gestellt hatte. Einem Bericht von Subject:Poker zufolge ließ Ferguson zwischen (mindestens) April 2007 und April 2011 knapp 60 Millionen Dollar an Einnahmen durch Full Tilt ließ auf mehrere Konten fließen, die Pocket Kings Ltd., ein Tochtergesellschaft des Pokerrooms, für ihn führte. Ungefähr 45 Millionen Dollar cashte er auch wieder aus, den Rest lieh er der Firma, unter Anderem, wie es aus unbestätigten Quellen heißt, explizit zur Auszahlung an non-US-Spieler, die ja zumindest noch bis zum endgültigen Aus ein paar Wochen später ihr Geld erhielten.

Nun versuchen Ferguson und sein Anwalt Ian Imrich nach Möglichkeiten, die fehlenden 14,3 Millionen Dollar wiederzubekommen. Ursprünglich enthielt der Deal zwischen der Groupe Bernard Tapie und Full Tilt Provisionsvereinbarungen, die Ferguson passive Anteile in Höhe etwa dieser Summe zusprachen. Das Department of Justice legte jedoch sein Veto dagegen ein, dass die Vorstandsmitglieder des Pokerrooms, die ja wegen unter Anderem Geldwäsche und Bankbetrugs angeklagt sind, Anteile an der sich neu formierenden Firma erhalten sollten. Nun sollen Ferguson und Imrich gedroht haben, eine einstweilige Verfügung zu erwirken, mit der die Übernahme des Rooms durch die französische Unternehmergruppe zunächst einmal ausgesetzt werden könnte. In dieser Ruhezeit könnten sie überprüfen, welche Möglichkeiten Ferguson hat, sein Geld zurückzuerhalten. Anscheinend gibt es zur Zeit allerdings laut Subject:Poker „keinen Grund zu anzunehmen, dass diese Drohungen in irgendeiner Weise den Deal (zwischen Full Tilt Poker und der Groupe Bernard Tapie) anhalten oder behindern könnten“.

Dass Chris „Jesus“ Ferguson eigennützigerweise sein Geld wiederhaben will, kratzt seinen ohnehin seit der Full Tilt-Affäre schwer angeschlagenen Status als einer der (ehedem) ganz Integren im Business weiter an. In Pokerforen wie TwoplusTwo und PocketFives ereifern sich die Geister ganz nach Art von „maxtinder“, der auf letzterem postete: „Chris Ferguson sollte sich heftigst schämen ein Pokerspieler zu sein“.

Der dritte Mann: Wo steckt Phil Ivey?

Dienstag, September 27th, 2011

Ivey's Eyes

Um etwaigen Einwänden zuvorzukommen: Rein optisch betrachtet machen Tiltware-Chef Ray Bitar und Gutmensch Rafe Furst neben Howard “The Professor” Lederer und Chris “Jesus” Ferguson so gut wie gar nix her, da kann das Department of Justice sie noch so sehr mit Anklagen überhäufen. Wo aber ist der weiße Ritter abgeblieben? In welchen Häfen dümpelt das einstige Flaggschiff des Rooms jetzt vor sich hin? Was war sein Part in dem Sommerdrama, das nun vermutlich auch den Herbst überdauern wird? Wird er unter Kapitän Phil Hellmuth am 19. Oktober beim Caesars Cup für Team America starten? Und wann erscheint sein Pokerbuch? Coming soon steht seit einem Jahr auf seiner Website. Was will uns das sagen?

In der Kanalisation von "Der Dritte Mann"„Irgendwann werden wir vielleicht die ganze Wahrheit darüber erfahren, was wirklich passiert ist. Natürlich hätten die meisten stattdessen lieber ihr Geld zurück“, schrieb compncards in seinem Blog auf PokerJunkie.com. Gerade hatte er probeweise das Szenario zu einem großangelegten Versuch entworfen, die Öffentlichkeit vom wahren Ausmaß des Full Tilt Poker-Desasters abzulenken. Achtung: Das Folgende ist reine Spekulation. Hauptakteur: Phil Ivey, der sich in einem publikumswirksamen Auftritt zum Start der WSOP solidarisch mit den auf ihr Geld wartenden Spielern erklärte und Klage in Millionenhöhe gegen seinen Arbeitgeber einreichte – um diese dann sang- und klanglos fallen zu lassen und das Gerücht zu streuen, eine Investorengruppe namens „Ivey White Knight“ sei zur Rettung des schwer angeschlagenen Rooms unterwegs. Das, überlegte compncards weiter, könnte Zigtausende von Non-US-Playern davon abgehalten haben, ihre Full Tilt-Accounts zu leeren. Denn dafür hätten die $ 6 Millionen, die die Company laut Howard Lederer Anfang Juni noch flüssig hatte, nicht gereicht. So konnte die Pokergemeinde noch ein wenig hingehalten werden …

Eine andere Variante ist heute Verdächtigeauf pokerfirma.com zu lesen, sozusagen als One-Sentence-Kurzroman: Das Phil Ivey nach wie vor „verschollen“ sei, sei „natürlich ein Nährboden für das Gerücht (Hervorhebung vom Kl.K.), dass Ivey der Full Tilt Insider gewesen war, der dem DoJ weitergeholfen hat.“ Da bin ich platt. Und fühle mich ebenfalls zu einem Statement veranlasset: Ich, Klara Kent, erkläre hiermit, dass ich nicht glaube, dass Full Tilt eine Betrugsmaschine war, wie es das DoJ, vermutlich  Seite an Seite mit der Heimatschutzbehörde, im Eifer des Kampfes um die Einführung von amerikanischen Pokerseiten für Amerikaner behauptet. Aber dass sie dort im Management genauso naiv waren, wie es die Alternative nahelegen würde, ist fast noch erschreckender. Da gefallen mir die vielen vielen phantasieanregenden Verschwörungstheorien noch am besten: Wir und die Amis und das Team Full Tilt sind alle reingelegt worden. Aber von wem bloß? Ach ja, vielleicht stecken ja die Investoren aus Frankreich dahinter, die jetzt angeblich erst beim DoJ für Ruhe sorgen und dann Full Tilt kaufen wollen. Oder Mathegenie Gus Hansen. Oder Keyser Sozé. PSSSST!

Onlinepoker in Bewegung

Samstag, September 24th, 2011

„Der Held der Story hat auch betrogen. Und das ist einfach nicht … Poker Heroes betrügen einfach nicht.“ Mit dieser Sentenz endet der neue Teaser der großen Pokerdokumentation „All In: The Poker Movie“, die im Februar 2012 in die Kinos kommen soll. Aparterweise spricht Howard Lederer den Satz – und die Produktionsfirma 4th Row Films hatte den Teaser am Donnerstag, mitten in den Medienrummel um die neuen Anklagen des Department of Justice gegen die Führungsriege von Full Tilt Poker und die Beschlagnahme der Vermögen von Lederer, Ferguson und Anderen hinein, auf You Tube hochgeladen.

Teaser  zu "All In: The Poker Movie"

Howard Lederer in All In: The Poker Movie
Kompletter Teaser auf http://www.youtube.com/watch?v=Mgukwet01Bo

Ähnlich wie in dem ebenfalls für Anfang 2012 angekündigten „BOOM – The Incredible True Story of Onlinepoker“ aus dem Hause 918 Films geht es in „All In“ um den Verlauf des Pokerbooms seit seinem Beginn in der Ära Moneymaker bis zum bösen Erwachen am Black Friday im April diesen Jahres und dessen Folgen. Die Onlinepokerszene ist allerdings in den letzten Monaten so heftig in Bewegung geraten, dass man sich fragt, ob die beiden großen Dokumentarfilme über Online auch nur den Hauch einer Chance haben, bei ihrem Erscheinen nicht bereits völlig von den Ereignissen überrollt zu sein. Andererseits könnte natürlich auch genau das den etwas makabren Charme solcher Dokumentationen ausmachen: Angesichts all der Auf und Abs, die Onlinepokerräume und –spieler innerhalb von weniger als sechs Monaten durchmachten, und die sicher noch lange nicht vorbei sind, hilft es sicher beim Wahren des Überblicks, wenn wir hin und wieder mit Bestandsaufnahmen versorgt werden, die längere Zeiträume abdecken.

Teaser zu BOOM

Chris Moneymaker’s Triumph bei der WSOP 2003
in BOOM – The Incredible True Story of Online Poker
Kompletter Teaser auf http://www.youtube.com/watch?v=4noS7EmKqNM

Auch aktuelle „kleinere“ Meldungen, die wie viele andere zur Zeit mehr oder weniger im Full Tilt-Wirrwarr untergegangen sind, sind charakteristisch für die Umbrüche, die zur Zeit in der Onlinepokerszene stattfinden: Anfang dieser Woche beispielsweise verkündete Bodog Poker, es Trackingseiten wie Sharkscope und PokerTableRatings (PTR) künftig noch schwerer machen zu wollen, Datamining auf der Seite zu betreiben und Hand Histories zu verkaufen. Im Wesentlichen geht es dem Management darum Hobbyspieler zu schützen, deren Abwanderung man befürchtet, wenn sie zu häufig von Regulars zur Kasse gebeten werden.

Derweil befindet sich PokerTableRatings.com seit Mittwoch unter heftigem Beschuss durch eine DDoS (Distributed Denial of Service)-Attacke. DDoS besteht aus einer oder mehreren Angriffswellen, die von vielen verschiedenen Servern aus erfolgen. Dabei wird das Ziel beispielsweise ständig mit fehlerhaften IP-Paketen bombardiert und ist binnen Kurzem nicht mehr erreichbar, was natürlich fatal für Seiten ist, die wie PTR Dienstleitungen in Form aktuellster Informationen verkaufen.

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