Thema des Monats: US-Richter und das deutsche Finanzamt Hand in Hand für Onlinepoker?

Klara Kent am Freitag, den 31. August 2012

Siegel des Federal District Court in Brooklyn„Wenige Dinge werden in unserem Land so sträflich vernachlässigt wie das Pokern … Ich kenne Geistliche, gute Männer, freundlich im Herzen, liberal und vertrauenswürdig, die nicht wissen, was ein Flush ist. Da möchte man sich doch für seine eigene Spezies schämen“, schrieb vor etwa 150 Jahren Mark Twain, seines Zeichens Schriftsteller und begeisterter Pokerspieler. „Jetzt müssen wir uns wohl ein bisschen weniger schämen“, merkte James McManus, Kolumnist von „The New York Times“, in seinem Artikel „No More Bluffing“ vom 24. August an. Der Autor von „Positively Fifth Street“ und „Cowboys Full – A History of Poker“ freute sich wie viele andere Poker Aficionados über die Entscheidung von Jack B. Weinstein, Richter am Federal District Court in Brooklyn, der zufolge Poker als Geschicklichkeits- und nicht etwa als Glücksspiel zu betrachten ist.

Dem Veranstalter einer privaten Pokerrunde hatten bis zu zehn Jahren Gefängnis wegen der Ausrichtung von verbotenem Glücksspiel gedroht, zumal er fünf Prozent der Pokergewinne – Rake also – für sich in Anspruch genommen hatte. Noch ist kein endgültiges Urteil gefällt, ein erstes Statement von Richter Weinstein allerdings gibt es bereits: Poker, so erklärteer, sei kein „game of chance“, sondern ein „game of skill“. Weder Wortlaut noch bisherige Handhabung des Illegal Businesses Gambling Acts (IGBA, Gesetz gegen Geschäfte mit illegalem Glücksspiel) ließen „den Schluss zu, dass der Kongress habe es in der Absicht geschaffen habe, es gegen jede Art von Gambling anzuwenden … Auch trifft die Definition von Gambling auf Spiele wie etwa Poker, die im Wesentlichen Geschicklichkeitsspiele sind, nicht zu“. Erst im Dezember letzten Jahres hatte das Department of Justice ein für allemal festgestellt, dass Pokerangebote im Internet keine illegale Aktivitäten im Sinne des Wire Acts von 1962 sind. Schnuppern wir da Morgenluft in Sachen Onlinepoker?

„Einkommenssteuer – auch so ein Glücksspiel“ (Heute Nacht)

Und hierzulande? Dem Ex-Piloten und langjährigem Pokerspieler Eddy Scharf steht die Besteuerung seiner Gewinne ins Haus, genau wie Hunderten anderer, die mit ihrem Lieblingszeitvertreib erfolgreich waren und „ähnliche Steuernachforderungen wie Scharf“ (SPIEGEL ONLINE) erhalten hatten. Hier wird nun wirklich verkehrte Welt gespielt: Pokerbrain Scharf besteht auf Anwendung des aktuell geltenden Rechts, wonach Pokern ein reines Glücksspiel, seine Ausübung nur auf Kasinos beschränkt und Gewinne wie andere Glücksspielerlöse auch nicht zu versteuern sind. Das Finanzamt seinerseits zitiert unter Anderem Aussagen des zweifachen WSOP-Braceletgewinners (in Limit Omaha 2001 und 2003), die zumindest den Verdacht nahelegen, dass Pokern nicht überwiegend vom Glück dominiert wird.

Selbst wenn das Gericht, das bis Jahresende entscheiden soll, ob die Pokergewinne zu versteuern sind, dem Finanzamt Recht gibt – was ist dann mit der Abzugsfähigkeit von Reise- und Übernachtungskosten, weiteren Spesen und Turnier-Buy-ins? Mehr noch, denn wie Eddy Scharfs Anwalt in der ZDF-Sendung „Heute Nacht“ Anfang der Woche feststellte: „Wenn Poker als Geschicklichkeitsspiel eingestuft wird, dann fällt Poker aus dem Glücksspielmonopol heraus … und vor allem wird sich der ganze Onlinemarkt legalisieren dadurch, und das ist eigentlich ordnungspolitisch vom Staat nicht gewollt.“

Blick nach Norden

Wer weiß? In Schleswig-Holstein, dem Bundesland, das in Sachen Legalisierung von Onlinepoker, -sportwetten und -gaming Pionierarbeit geleistet hatte und wo dank des politischen Machtwechsels zurück ins Rudel der anderen Länder gerudert werden soll, haben sich schon die ersten Zweifel am Kurs der Regierungskoalition in den eigenen Reihen gemeldet. Einerseits soll das neue liberalisierte Glücksspielgesetz Schleswig-Holsteins gekippt werden, andererseits stellt es derzeit geltendes Recht dar – weswegen seit seinem Inkrafttreten im Mai bereits zwölf Lizenzen für Internetgaming (namentlich Sportwetten) vergeben wurden, fünf davon Ende letzter Woche an unter Anderem Admiral Sportwetten, Ladbrokes International PLC und 888 Germany. 44 weitere Lizenzanträge liegen zur Bearbeitung vor, und Innenminister Andreas Breitner versicherte in einer Presserklärung: „Die Anträge werden weiterhin unverzüglich bearbeitet, die Entscheidungen fallen selbstverständlich nach geltendem Recht und Gesetz.“ Das wird auch Zeit, denn schon sind die ersten Klagen wegen ungerechtfertigter Verzögerung bei der Bearbeitung von Lizenzanträgen eingereicht worden.

Sollte das Glücksspielgesetz nun annulliert werden und der Glücksspielstaatsvertrag der anderen Bundesländer auch in Schleswig-Holstein wirksam werden, muss das nördlichste Bundesland mit einer Flut von Schadenersatzforderungen von Seiten der um ihre Lizenzen geprellten Firmen rechnen. Wollen wir hoffen, dass die neue Landesregierung aus SPD, Grünen und Südschleswigschem Wählerverband bald wieder über „Klaar Kimming“ (für Landratten: das ist Friesisch für „klarer Horizont“) verfügt, und vielleicht doch einen anderen Kurs als das bundesdeutsche restriktive Glücksspielrecht wählt. Und was bei allen Pokergöttern soll man Eddy Scharf bloß wünschen? Glück oder so?

Über mich – Klara Kent

Klara Kent am Dienstag, den 5. Juni 2012

Mein Name ist Klara Kent, und ich bin auf der dänischen Insel Ærø geboren. Das war ein Versehen und kostete meine Mutter 100 dänische Kronen, denn sie hatte mit meinem künftigen Großvater gewettet, dass ich erst nach den Sommerferien zur Welt kommen würde, wenn sie wieder zurück im bayrischen Murnau wäre. So fing das mit meinem Spielerdasein (Spielerinnendasein?) an. Einige Jahrzehnte später entdeckte ich Onlinepoker – und mittlerweile habe ich mich voll und ganz dieser meiner Lieblingssucht verschrieben, im wörtlichen Sinne: Ich spiele so oft wie möglich, und ich lebe vom Schreiben. Neben diversen Artikeln für Pokermagazine habe ich auch ein paar Kinderbücher verfasst. Falls sich jemand wundert, wie das zusammengehen kann, möge er sich bitte daran erinnern, wie er als Kind begonnen hat, die Welt zu begreifen. Und weil ich immer auf der Suche nach interessanten Spielwiesen bin, habe ich hierher gefunden. Für Poker-Institut werde ich die (Online-)Pokerwelt durchforsten und meine Funde präsentieren.

Eins noch: Klara Kent ist nicht ganz mein wirklicher Name. Mein echter ist aus verschiedenen Gründen total unpraktisch. Als Kinder hatten meine vier Geschwister und ich den Dreh raus, völlig fremde Leute in einen unseren-Namen-vollständig-und-fehlerfrei-aufsagen-nachdem-man-ihn-höchstens-dreimal-gehört-hat-Wettbewerb zu verwickeln und dabei regelmäßig ein paar Pfennige zu gewinnen. Er besteht nämlich aus etwa 27 Silben, und es kommen Bestandteile wie „d’Eon“, „Gondorff“ und „Ballinger“ darin vor, die laut Familientradition mit französischem Akzent ausgesprochen werden müssen (ohne dass in den letzten 100 Jahren auch nur ein einziger Franzose – aber gut, das würde jetzt zu weit führen). Wie auch immer, wenn ich mal genug Zeit habe, schreibe ich ihn auf. Ich glaube, er ist sogar länger als der von Kara Ben Nemsis Begleiter Hadschi Halef Omar Ben Hadschi …

Ach ja, und am liebsten spiele ich Pot Limit Omaha, auch in der HiLo-Variante. Natürlich kommt man an No Limit Hold’em nicht vorbei – ich muss aber zugeben, dass ich dafür eigentlich zu ungeduldig bin und viel zu gerne herumprobiere. Meine Lieblingsformate, egal ob Turnier oder Cashgame, sind dementsprechend zwar gerne Deepstacks, aber maximal 6handed. Demnächst mehr.

Aussie Millions: Am Sonntag starten die ersten großen Events

Klara Kent am Sonntag, den 6. November 2011

Aussis MillonsZehn Jahre Aussie Millions – zur Feier des historischen Datums sind für morgen gleich zwei Mega Events der Series angesetzt. Um 12:30 Ortszeit beginnt Flight 1 von Day 1 des $10.600 No Limit Hold’em Main Events, mit einem Starting Stack von 30.000 Chips für jeden Teilnehmer und 90 Minuten Leveldauer. In jedem Flight wird möglichst schnell auf 8-handed Tables umgestellt. Wenn noch 36 Spieler übrig sind, geht es 6-handed weiter. Bis zum Day 5 des Events am kommenden Samstag sollte dann der Final Table klargemacht sein.

Das erste Super High Roller-Turnier dieses Jahr in Down-Under startet 90 Minuten nachB eginn des Main Events. Bei der $100.000 Challenge geht jeder Teilnehmer mit 100.000 Chips ins Rennen. Die Levels dauern 60 Minuten, und das Spiel ist Hold’em. Spektakuläre Preflop All-ins sind zumindest in den Anfangsstunden nicht zu erwarten, da die erste Setzrunde als Pot Limit gespielt wird. Postflop wird dann zu No Limit geswitcht.

Das teuerste Turnier der Aussie Millions 2012 startet am Freitag mit einem Buy in von $250.000 und ebenso vielen Starting Chips, und weil soviel Geld natürlich schleunigst unter die Leute gebracht werden muss, dauern die Levels auch nur 40 Minuten. Geradezu bescheiden dagegen ist mit $25.500 das Startgeld für das Semi-Shootout am nächsten Samstag. Es ist auf zwei Tage angelegt. Mit 40.000 Chips geht es 8-handed los, die ersten sechs Level haben 40, die folgenden 60 Minuten. Sobald wie möglich wird 6-handed gespielt. Wenn nur noch 18 Spieler übrig sind, wird in den Shootout-Modus gewechselt: Die letzten Beiden vom jedem Tisch kommen an den Final Table.

Die dicksten Gewinne bei den Aussie Millions machte bis dato Erik Seidel letztes Jahr: Sein Dritter Platz bei der $100.000 Challenge ($618.000) war nur eine Fingerübung für die $250.000-Challenge, aus der er er als Sieger hervorging und $2.400.000 nach Hause trug. Sein Ex-Full Tilt-Kollege Gus Hansen (Sieger beim Main Event der Aussie Millions 2007) hat gestern auf seinem Blog gushansen.me kurz notiert, dass er bereits vor ein paar Tagen Australien angekommen sei und sich allmählich akklimatisiere. Alle vier großen Events würden ihn interessieren – „möglicherweise spiele ich sie alle“. Das dürfte spannend werden

Jared Tendler: Gratis Lessons in der Mental Game Radio Show

Klara Kent am Donnerstag, den 6. Oktober 2011

Jared TendlerFür diejenigen unter uns (sofern es sie tatsächlich gibt), die das Gefühl haben, ihre mentale Stärke, Tiltresistenz, Ausdauer und/oder Leistungsfähigkeit könnten noch etwas Verbesserung brauchen, hier eine ganz besondere Empfehlung: Seit Anfang Dezember hat Jared Tendler, Mental Coach und Autor von „The Mental Game of Poker“, dem aktuellen Standardwerk zum Thema, eine wöchentliche Radiosendung auf QuadJacks.com. Jeden Mittwoch um 5:00 pm ET (23:00 Uhr unserer Zeit) diskutiert er mit PokerPros Fragen der mentalen Stärke, die ein Spieler braucht um erfolgreich zu sein. Gäste der ersten beiden Folgen waren Tri “slowhabit” Nguyen und wie Dusty „Leatherass“ Schmidt.
Lex Veldhuis

Lex “RaSZi” Veldhuis

„Im Wesentlichen“, so Jared, „bekommt man (in der Show, Anm. d.A.) Gratis-Seminare darüber, wie man sein Mental Game besser unter Kontrolle halten kann.“ Aber auch Fragen von Zuhörern werden beantwortet. Gast der nächsten Sendung am 21. Dezember ist Team PokerStarsPro Lex “RaSZi” Veldhuis. Der 25Jährige Holländer räumt seit einigen Jahren erfolgreich an den No Limit Hold’em Cashgame-Tischen von $2/$4 bis $100/$200 ab (zumindet tat er das an letzteren, bis Full Tilt dichtmachte, seitdem spielt er auf PokerStars $50/$100). Laut pokertableratings.com hat er bis dato ein Plus von über $200.000 auf PokerStars gemacht. Wer Fragen an Jared Tendler oder an Lex Veldhuis hat, kann sie hier in Jareds Forum stellen und auf die Diskussion am Mittwochabend warten.

Bereits jetzt und quasi als Vorgeschmack lohnt es sich, die beiden ersten Sendungen anzuhören, in denen Jared mit Pokercoach Tri “slowhabit” Nguyen (Daily Variance Publishing) über unerwartete mentale Leaks selbst bei so großartigen Spielern wie Tom Dwan spricht und, eine Woche später, mit Dusty „Leatherass“ Schmidt über dessen Weg zum „ultimate grinder“.