Archive for the ‘Poker Businessnews’ Category

Poker News: Full Tilt Deal geplatzt? Doyle‘s Room verkauft. Carina Gollwig neue Pokermeisterin im Norden

Dienstag, Oktober 11th, 2011

Full Tilt LogoFull Tilt Deal geplatzt? Wie die iGamingPost gestern in einer kurzen, seltsamerweise von nur wenigen Medien aufgegriffenen Nachricht wissen lässt, wurde die Redaktion von „vertrauenswürdiger Seite… informiert, dass der mögliche Aufkauf von Tiltware (Full Tilt Poker) durch die Groupe Bernard Tapie praktisch Geschichte ist – und zwar ziemlich sicher mit dem Ausgang NO DEAL“. Als Grund wird die mangelnde Kooperation der Full Tilt-Führungsspitze, insbesondere Ray Bitars, genannt. Letzterer sei ohnehin viel zu sehr damit beschäftigt, seine privaten, auf Veranlassung des US Department of Justice eingefrorenen Gelder wieder freizubekommen, als dass er sich um die Zukunft des Rooms kümmern könne.

Boyle Brunsons Augen und HutbandDoyle‘s Room verkauft. Americas CardRoom (ACR), einer der Pioniere unter den Onlinepokerrrooms, hat Doyle‘s Room aufgekauft. Erst kürzlich hatte sich ACR nach einer Onlinepoker-Auszeit dem Yatahay Network angeschlossen. Dort wartete Doyle‘s Room bereits – sozusagen fertig verpackt und abholbereit, hatte doch Gründer Doyle Brunson deprimiert von den Ereignissen des Black Friday, seinen Weggang verkündet und verlangt, dass sein Name nicht mehr als Markenzeichen verwendet würde. Der seit 2001 bestehende Americas CardRoom verfügt selbst über ein starkes Branding. Ein Unternehmenssprecher erklärte jetzt: „Wir sind sehr begeistert über den Erwerb von Doyle‘s Room und die damit einhergehende Ausweitung unserer Marke.“ Gleichzeitig versicherte er Spielern und Affiliates, dass ihre Funds „sicher sind und Americas CardRoom alle mit Doyle’s Room bestehenden Vereinbarungen einhalten wird.“ Erste große Aktionen werden ab dem 1. November ein $ 65.000 Rake Race und die Americas CardRoom Online Super Series (ACROSS) sein. Ebenfalls in Vorbereitung ist laut gambling911.com ein “innovatives Loyalty-Programm”.

Logo Casino TravemündeCarina Gollnik neue Pokermeisterin im Norden. 105 Teilnehmer spielten am Wochenendeim im Casino Travemünde  um die 4. Schleswig-Holsteinische Pokermeisterschaft und um einen Preispool in Höhe von € 57.750. Nur vier Frauen nahmen Teil – eine von ihnen, die 28jährige Carina Gollnik konnte am zweiten Turniertag nach 15 Stunden  den Titel, den Pokal und € 15.750 € Siegprämie für sich verbuchen.

Las Vegas Casinos mit Onlinepoker und Social Gaming

Donnerstag, Oktober 6th, 2011

southpointpoker.comDas South Point Casino/Las Vegas geht heute mit einem eigenen Pokerroom online. Fürs Erste wird nur um Playmoney oder um Special Promotions wie einen Seat im WSOP Main Event 2012 gepokert. Casinoeigentümer Michael Gaughan hat vor allem die anstehende Legalisierung von Onlinepoker in den USA im Blick. Die Eröffnung eines Internetpokerrooms unter dem eigenen Brand sieht er als Versuchsballon: „Im Grunde ist es Gambling“, sagt er. „Ich kenne mich im Onlinepoker nicht besonders gut aus und versuche, mit diesem kostenlosen Angebot etwas darüber zu lernen.“ Nach einer kurzen Phase der Beschränkung auf Mitglieder des South Point Casino Loyalty Programs soll der Room vom 17. Oktober an für die breite Öffentlichkeit zugänglich sein.

MGM internationalJim Murren, CEO von MGM Resorts, kündigte gestern den Launch eines eigenen Social Media Games an, das er in direkter Konkurrenz zu Zyngas Erfolgsprodukt Farmville sehen will. Allerdings werden die Spieler hier nicht einen Bauernhof zu einem landwirtschftlichen Großbetrieb entwickeln: Als Geschäftsführer eines Casinos sollen sie ein florierenden Gamingunternehmen führen und ausbauen. Auch diese Unternehmung zielt natürlich darauf ab, im Falle einer staatlichen Regulierung von Internetgaming zu den Anbietern der ersten Stunde zu gehören.

Logo WSOPEin anderer Branchenriese, nämlich Caesars Entertainment, ist bereits seit dem letzten Jahr online, mit der hauseigenen Marke World Series of Poker WSOP. Das kostenlose Pokerangebot kann auch via Facebook und Mobile-Platforms genutzt werden. Wie Firmensprecher Seth Palansky dem Wall Street Journal mitteilte, eröffnen derzeit bis zu 1.000 Spieler pro Woche einen Account, und demnächst steht die Ankunft Users Nummer 1.000.000 ins Haus. Außerhalb der USA kann auf wsop.com bereits um Geld gepokert werden.

Turbo Poker News: DoJ hält Erstattung der Spielergelder „für möglich“. Liv Boerees Lauf auf PokerStars. ChiliPoker zieht’s auf den US Markt.

Freitag, September 30th, 2011

Logo des DoJPresserklärung des DoJ. Das US Department of Justice hat sich gestern, am selben Tag, an dem die AGCC den endgültigen Entzug der Lizenz von Full Tilt Poker bekanntgab, in einer Presseerklärung zur potentiellen Rückzahlung der Spielergelder geäußert. Darin heißt es, das DoJ versuche gemeinsam mit dem FBI einen möglichst großen Teil der Gelder „aufzuspüren und zu sichern“, die Full Tilt Poker und dessen Vorstandsmitglieder laut Klageschrift „erschwindelt“ hätten. Die Rückzahlung der verschwundenen Gelder an die Spieler „kann möglich sein“, hänge aber von verschiedenen Faktoren ab. Zum einen müsse der Rechtsstreit erfolgreich im Sinne des DoJ abgeschlossen werden, zum Anderen würde die Bücher und Aufzeichnungen von FTP zu finanziellen Operationen teilweise außerhalb der USA aufbewahrt, was es schwierig gestalte, ihrer habhaft zu werden. Pressetext im Original hier >>

Liv BoereeLiv Boerees Lauf auf PokerStars hält an und an und an. Sie hatte schon mehr als $ 2 Millionen bei Life Turnieren (darunter der Sieg beim EPT San Remo Main Event 2010) gewonnen, doch 2011 hat sich zum „Online-Jahr“ der Britin gemausert. Ihre Siegesserie begann im Februar, als ihr erste Plätze beim Sunday Warm-Up und einem $ 45.000 Guaranteed über $ 160.000 einbrachten. Letzter großer Coup der 24jährigen ist ein Bracelet bei der soeben zu Ende gegangenen WCOOP auf PokerStars, dem Event #21 Second Chance Hold’em. Alles in allem gewann sie allein bei den bisherigen fünf großen Turniersiegen in 2011 mehr als $ 240.000.
Team PokerStars-Kollege Daniel Negreanu hat übrigens ebenfalls eine beeindruckende Leistung bei der WCOOP hingelegt, die er selbst ja als einen Prüfstein für sein Onlinepokerspiel bezeichnet hatte: Er cashte in 15 von 52 Events, mit einem Gesamtergebnis von $ 119.193.

Logo ChiliPokerBlitzlicht: ChiliPoker demnächst mit Social Network-Pokerangebot in USA. Mit kostenlosem  Onlinepoker und virtuellen Spielgeld will sich der iPoker-Client für die in Aussicht stehende Legalisierung von Onlinepoker auf dem US-Markt positionieren.

Full Tilt Poker: Jetzt wird’s wohl doch ein bisschen eng

Mittwoch, September 21st, 2011

Das DoJ gegen Full TiltNatürlich haben in einem Land, das Filme wie Gone with the Wind, The Good, the Bad and the Ugly und „Shrek, Part I to XXVII“ hervorgebracht hat, selbst die Behörden Sinn für gutes Timing. Während die Weltöffentlichkeit, also, genauer gesagt: die Onlinepokerszene, nicht gerade mit angehaltenem Atem, aber doch recht erwartungsvoll der Neuigkeiten vom Hearing harrte, das die Alderney Gambling Control Commission AGCC hinter verschlossenen Türen seit zwei Tagen mit Full Tilt Poker hält – und hastenichtgesehen! lässt das US Department of Justice eine Bombe platzen, wie sie (un)passender nicht hätte kommen können: Der Pokerroom steht jetzt nicht mehr „nur“ wegen Bankbetrugs, Geldwäsche und der Veranstaltung von illegalem Glücksspiel (letzteres ohnehin ein eher wackeliger Vorwurf, das die UIGEA von 2006 nicht die Veranstaltung von Onlineglücksspiel, sondern den entsprechenden Zahlungsverkehr verbietet) unter Anklage, sondern muss sich jetzt auch noch wegen Diebstahls von Spielergeldern, Verschleierung und Massenschwindels verantworten (Fraud Tilt Poker titelten denn auch die Gerüchteküchenmeister von pokerfuse.com).

Ponzi Scheme (Schneeballsystem) lautet das Stichwort des Tages, herausgegeben von Preet Bharara, US Staatsanwalt des Southern District of New York: Geldschiebereien seien begangen worden, indem Spielern niemals von ihren Bankkonten eingezogene Gelder gutgeschrieben worden waren, reine Phantomgelder, die sich nie auf den Full Tilt Accounts befanden, um die aber trotzdem gespielt werden konnte. Gleichzeitig hätten sich die Eigentümer innerhalb der letzten vier Jahre 440 Millionen Dollar ausgezahlt. Es sei seit 2007 zu keinem Zeitpunkt genug Geld bei Full Tilt Poker flüssig gewesen, um die Spielergelder gegebenenfalls auszahlen zu können – und genau das habe dann zu Verschleierung und offenkundigem Betrug geführt: Immer wieder war, in Internetforen, Presseerklärung et cetera, versichert worden, die Spielergelder würden in verschiedenen über den Erdball verteilten Konten sicher verwahrt. Als das DoJ am 15 April 2011 die Seite beschlagnahmte, befanden sich gerade mal 60 Millionen Dollar realiter auf Full Tilt Accounts – 390 Millionen hätten es sein müssen. Was die AGCC wohl dazu sagt? Und wer wohl jetzt noch die Marke kaufen will, so ausnehmend schön die Software auch ist? Wo das weniger glanzvolle aber offenbar grundsolide PokerStars doch insgeheim (ebenfalls lautlaut pokerfuse.com) an einer eigenen Version von Rush Poker tüftelt…

Die erweiterte Anklageschrift des DoJ im Fall Full Tilt Poker ist im Original hier zu lesen: www.scribd.com/doc/65666240/Amended-Full-Tilt-Poker-Complaint-PR
Mehr über Carles Ponzi, der als „Erfinder“ der betrügerischen Schneeballsysteme gilt, gibt es zum Beispiel auf de.wikipedia.org.

Ehemaliger FBI-Chef wird Lobbyist für Onlinepoker

Freitag, September 16th, 2011

Logo Fair Play USALouis Freeh, FBI Director von 1993 bis 2001, und Pennsylvanias ehemaliger Governor Tom Ridge haben sich dem Beirat von Fair Play USA angeschlossen, das sich für die Legalisierung von Onlinepoker in den USA stark macht und gemeinsam von Caesars Entertainment und MGM Resorts International gegründet worden war. Zu den bekanntesten Pokerspielern bei Fair Play USA gehören Mike Sexton und Greg Raymer. Prominente Mitglieder aus der Politszene sind unter Anderem Parry Aftab, Rechtsanwalt in Internetfragen, und Tom Ridge, EX-Chef von Homeland Security.

Auf einer Pressekonferenz in Washington D.C.s Capitol Hill erläuterte die Organisation gestern ihre Ziele. Dazu zählt vor allem eine eindeutige Defintion des Begriffs „illegales Glückspiel“, denn, so erklärte Freeh, „die derzeitige Bundesgesetzgebung hat es nicht geschafft, das Gesetz auch mit wirksamen Mitteln auszustatten um gegen illegales Internet-Glücksspiel vorzugehen, so dass jetzt eine ‚Wildwest‘-Atmosphäre vorherrscht.“ Durch die verworrene Gesetzgebung sei ein „sechs Milliarden Dollar schwerer Markt für illegales Gambling entstanden, der von schurkischen ausländischen Anbietern beherrscht wird“.

So ist denn auch die Beibehaltung und Verschärfung des Unlawful Internet Gambling Enforcement Act (UIGEA) von 2006 eins der wichtigsten Anliegen von Fair Play USA. Was nicht weiter verwunderlich ist, denn die US-amerikanische Casinoindustrie, die jahrelang Fronte gegen gesetzlich erlaubtes Onlinegambling gemacht hatte, ist seit der ökonomischen Rezession 2008 zusehends auf die Linie der Legalisierungs-Lobbyisten eingeschwenkt.

—-

Anmerkung d. A.:

Das U.S. Department of Homeland Security (US Ministerium für Innere Sicherheit) war 2002 geschaffen worden, als Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001. Seine wichtigste Aufgabe ist es Bedrohungen für die amerikanische Bevölkerung und das US Territorium „vorauszusehen, zuvorzukommen und abzuwenden“. Ex-FBI Director Freeh kam vor einigen Jahren in die Schlagzeilen, als er die Arbeit der Untersuchungskommission zu 9/11 kritisierte: Man habe verschwiegen, dass der Pilot eines der beiden Flugzeuge, die in die Twin Towers des New Yorker World Trade Centers gesteuert wurden, den US-Behörden bereits vorher als potentieller Terrorist bekannt gewesen sei.

Die entsprechende Presseerklärung von Fair Play USA schlägt übrigens nicht ganz so US-nationalistische Töne an wie ihr neues Mitglied. Nachzulesen ist sie  auf http://www.marketwatch.com/story/former-fbi-director-louis-freeh-former-governor-tom-ridge-join-fairplayusa-to-tackle-ineffective-laws-on-illegal-internet-gambling-2011-09-15.

Reaktionen auf Kieler Absegnung des Glücksspielgesetzes

Donnerstag, September 15th, 2011

Lomdon Stock ExchangeDie mit Spannung erwartete und gestern mit äußerst knapper Mehrheit durchgesetzte Liberalsierung des Glücksspielwesens in Schleswig-Holstein sorgte unmittelbar nach Bekanntwerden für ein erleichtertes Aufatmen in der internationalen Onlinegaming- und Sportwettenszene. „Schleswig-Holstein says Ja!“ titelte Jamie Hinks auf calvinayre.com – und dieses „Ja!“ sorgte denn auch gleich für Grund zur Freude bei Bwin party Digital Entertainment und Betfair: Die Aktien beider an der Londoner Börse notierten Firmen zogen sofort kräftig an, bwin.party schloss gestern mit einem Wertanstieg um über 12 Prozent ab, Betfair machte mehr als 3 Prozent gut.

JAXX SEDie Münchner Anwaltskanzlei „timelaw“, die „nach eigenen Angaben etwa ein Dutzend Spielanbieter“ vertritt, sieht im März laut einem Bericht der im Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag erscheinenden shz.de um die 40 Onlinegaming- und Wettanbieter an den Start gehen. Matthias Dahms, Vorstandssprecher der in Kiel ansässigen JAXX SE (bis 2008 als FLUXX bekannt), begrüßte die Entscheidung der Kieler Landesregierung und kündigte eine baldige Bewerbung der Firma um eine Lizenz für Sportwetten und Gaming an. Weiter heißt es in der Pressemeldung: „Über die in Schleswig-Holstein erteilte Erlaubnis werden die Tochtergesellschaften der JAXX SE insbesondere über das Internet auch im übrigen Bundesgebiet tätig werden und die entsprechenden Steuern und Abgaben in Schleswig-Holstein abführen.

Auch Norman Faber, der Präsident des Deutschen Lottoverbandes DLV, sieht Grund zur Freude – das Veranstaltungsmonopol für Lotto bleibt beim Staat, Vertrieb und Vermittlung dürfen aber künftig durch Privatunternehmen stattfinden ausdrücklich: “Durch dieses Gesetz ist es den unabhängigen Lotterievermittlern künftig endlich wieder möglich, vollumfänglich tätig zu werden.” Kollege Erwin Horak, Präsident von Lotto Bayern und Federführer des Deutschen Lotto- und Totoblocks hingegen freut sich weniger: “Kommerzielle Sportwetten-Anbieter kündigen heute schon an, mit einer schleswig-holsteinischen Lizenz Umsätze in ganz Deutschland zu tätigen. Die anderen Länder gehen damit leer aus.“ Vielleicht kann ihn ja diese Prophezeiung des Flensburger Tageblatt beruhigen: „Die 15 übrigen Ministerpräsidenten werden eher früher als später ein Wendemanöver einleiten, um am erhofften Geldsegen zu partizipieren. Der Finanzminister in Kiel sollte sich also nicht zu früh freuen.“

—-

Kiel liberalisiert Glücksspielgesetzgebung im Alleingang

Mittwoch, September 14th, 2011

Landtag Schleswig-HolsteinDie Schleswig-Holsteinische Regierung hat heute die Öffnung des Bundeslandes für Onlinepoker und Sportwetten unabhängig vom Rest der Bundesrepublik beschlossen. Das Abstimmungsergebnis hätte knapper nicht ausfallen können: Mit 46 zu 45 Stimmen setzte sich die schwarz-gelbe Regierungskoalition durch. Aus der Vergabe von Fünf-Jahres-Lizenzen an Sportwetten- und Gaminganbieter sollen auf der Grundlage einer Ertragssteuer in Höhe von 20 Prozent etwa 60 Millionen Euro in die Staatskasse fließen. Nicht betroffen von der Liberalisierung ist allerdings das staatliche Lottomonopol, „Beschränkungen im Vertrieb und für die Werbung werden aber weitgehend aufgehoben“, wie welt.de soeben berichtet.

Lizenznehmer müssen weder einen Hauptsitz in Schleswig-Holstein noch in der EU haben, eine Niederlassung im EU-Bereich genügt. Bislang, so heißt es auf der Homepage des Kieler Landtags, „fließen die Wett-Erlöse am Fiskus vorbei, weil viele Unternehmen vom Ausland aus das deutsche Staatsmonopol umschiffen“. Unterdessen „warnen“ SPD, Grüne, Linke und SSW vor einem „Las Vegas des Nordens“. Die Antwort des CDU-Fraktionsvorsitzenden Hans-Jörn Arp: „Es gibt kein gutes staatliches Glücksspiel und kein schlechtes privates Glücksspiel. Es gibt Sucht- und Manipulationsgefahren im Glücksspiel und darauf muss der Staat angemessen reagieren. Das tun wir.“ Zu den gesetzlich vorgeschriebenen gesetzlichen Maßnahmen zu Verhütung und Bekämpfung von Spielsucht gehört auch, dass ein fester Betrag aus den staatlichen Einnahmen in Suchtarbeit und Schuldnerberatung wandern wird.

Ob das Modell aus Deutschlands Norden wirklich als Alleingang „ins Abseits“ führt, wie Vertreter der Opposition befürchten, bleibt abzuwarten: Der äußerst restriktive Entwurf der übrigen Bundesländer zum neuen Glücksspielstaatsvertrag war von der EU Kommission in Teilen als Verstoß gegen die Wettbewerbsfreiheit eingestuft worden, der Kieler Entwurf hingegen hatte dagegen bereits im Mai grünes Licht erhalten. Schleswig-Holstein hätte aus europarechtlicher Sicht bereits in diesem Herbst mit der Lizenzvergabe beginnen können. Die soll aber erst im März 2012 starten. Mit dieser verlängerten Umsetzungsfrist gebe man „ein Signal an die anderen Länder“, wird FDP-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Kubicki zitiert. Die übrigen 15 Bundesländer sollen so die Möglichkeit erhalten, sich der Kieler Linie mit einer länderübergreifenden Lösung anzuschließen.

Umfangreiches Informationsmaterial gibt es auf der Homepage des Kieler Landtags:

http://www.landtag.ltsh.de/plenumonline/september2011/texte/02_26_gluecksspiel.htm

Thema Onlinegaming auf der Medienwoche der IFA: Schleswig-Holstein gibt Gas

Dienstag, September 6th, 2011

Logo der IFA Berlin 2011

———-

Chance durch sinnvolle Regulierung? Medien und Anbieter in einem liberalisierten Sportwettenmarkt war gestern ein Thema des zweitägigen Internationalen Medienkongresses mit den Schwerpunkten Medien- und Filmpolitik, der im Rahmen der Medienwoche der Messe für Unterhaltungselektronik und Elektro-Hausgeräte in Berlin, IFA 2011 stattfindet. Zur Podiumsdiskussion geladen waren neben Entscheidungsträgern und Rechtsberatern von Internet-Wett- und Gaminganbietern auch der Präsident des Verbands Europäischer Wettunternehmer (VEWU) Markus Maul, der Aufsichtsratsvorsitzen der Hertha BSC Bernd Schiphorst sowie Hans-Jörn Arp, der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag und Beauftragter für den Mittelstand der Landesregierung.

Wenn es nach Arp geht, wird am Donnerstag, dem 8. Oktober – also schon übermorgen –der liberale Gesetzesentwurf zur Reform des Glücksspielstaatsvertrags der Kieler Regierung „auf jeden Fall in dritter Lesung verabschiedet“ werden, wie heise online berichtet. Bereits 40 Wett- und Gaminganbieter- hätten Interesse geäußert. Wenn der Entwurf durchgeht, können schon ab März 2012 die ersten Lizenzen an private Anbieter vergeben werden. Im Unterschied zum von der EU-Kommission nicht gebilligten restriktiven Modell der anderen 15 Bundesländer sollen die Kieler Lizenzgebühren lediglich „kostendeckend“ sein, die Umsatzsteuer soll auf 20 Prozent festgelegt werden, ohne dass weitere lizenzbezogene Abgaben anfallen. Lizenzen werden auf sieben Jahre befristet.

Logo MedienwocheArp sieht so die Möglichkeit gegeben, die bisher „im rechtlichen Graufeld agierenden Unternehmen zu kontrollieren“ und die Staatskasse entschieden aufzubessern. Von den Einnahmen aus der Werbung für Onlinewetten und – gaming, die nach dem Willen der schwarz-gelben Koalition ebenfalls zugelassen wird, werden dann vor allem Sportvereine und Medien profitieren. Sollte es bis zum Jahresende nicht zu einem von allen Ländern getragenen bundesdeutschen Entwurf kommen, bleibt die bisherige Regelung mit ihren rechtlichen Grauzonen weiter bestehen. Der Fraktionsvize forderte die anderen Bundesländer auf, sich bis zu Frühjahr 2012 dem schleswig-holsteinischen Beispiel anzuschließen, ansonsten müssten sie sich darauf gefasst machen, dass „die Entscheidungsträger für Marketingetats mit mehreren hundert Millionen Euro dann im hohen Norden sitzen”. Die Spannung im Norden dürfte bis übermorgen noch um Einiges steigen – die SPD-Fraktion hatte sich vor wenigen Tagen mit einer Eingabe beim Kieler Landtag gegen die Liberalisierung des Glücksspielmarktes auf eigene (schleswig-hosteinische) Faust ausgesprochen.

Onlinepoker Traffic Update August

Dienstag, September 6th, 2011

Abakus, historischer "Computer"Kalenderwoche 35 brachte in diesem Jahr nicht das Ende des Onlinepoker-Sommerlochs. Insgesamt gab es sogar einen Rückgang um 0,6 Prozent, wie pokerscout.com berichtet. Trotz der am Sonntag gestarteten WCOOP verzeichnete selbst der ewige Traffic-Spitzenreiter PokerStars ein Minus von 2,4 Prozent gegenüber einem Wachstum 1,8 Prozent zur selben Zeit des Vorjahrs. Auf den Plätzen zwei bis neuen gab es zwar für die meisten ein leichtes Plus von 1,2 %, was aber längst nicht an die bis zu über fünf Prozent von Anfang September 2010 heranreichte. Auf dem zweiten Platz konnte sich auch in der letzten Woche das iPoker Network (mit seinem Flaggschiff Titanpoker) behaupten, dicht gefolgt von PartyPoker. Merge Gaming verlor fünf Prozent und rutschte auf Platz Zwölf, was den Aufstieg von ipoker.it auf Rang Zehn ermöglichte. Damit findet sich zum ersten Mal seit der Woche nach dem Black Friday keine US Spieler-freundliche Seite unter den Top Ten.

Hauptsächlich verantwortlich für diese Entwicklung ist nach Ansicht von pokerscout.com das US Department of Justice, das mit der Einfrierung von Spielergeldern den Markt ganz deutlich in Richtung Regulierung steuere: „Wenn es dem DoJ tatsächlich um Verbraucherschutz ginge, würde es die Funds nicht länger einbehalten, die die Spieler so dringend brauchen.“ Viele wollen oder können keine Gelder bei anderen Rooms mehr einzahlen. Das DoJ gab unterdessen PokerStars-Gelder auf der luxemburgischen Banque Hapoalim frei – allerdings nicht die dort liegenden $ 5,5 Millionen, die laut Spezifizierung durch PokerStars von Spielern in den USA kamen. Allerdings hatte PokerStars sich ja nach den Ereignissen des Black Friday ja bereits dadurch hervorgetan, dass es die Spielerfunds sehr schnell zurückerstattete.

Weltweit ist der Online Poker Traffic im Vergleich zum letzten Jahr um satte 26 Prozent zurückgegangen, was natürlich im Wesentlichen durch Totalausfall von Full Tilt Poker und das 97prozentige Minus bei Cereus (AP/UB) verursacht wurde. Allerdings floss der in Italien neu geregelte Onlinegamingmarkt nur bedingt in diese Berechnung ein, was eine gewisse Verzerrung bedeutet. Die Abwanderung der italienischen Spieler auf Seiten und Netzwerke, die wie Everest Poker eine .it-Domaine eingerichtet haben, macht sich overall natürlich negativ bei der Mutterseite bemerkbar.

Größte Gewinner waren übers Jahr gesehen 888poker mit einem Plus von 124 Prozent, Merge Gaming Network mit 62 Prozent, Bodog (plus 55 Prozent) sowie das iPoker Network, das einen Anstieg der Spielerzahlen um 22 Prozent verzeichnen konnte.

US-Wirtschaftsmagazin Forbes bringt aktuelles Full Tilt Poker-Statement

Mittwoch, August 31st, 2011

Forbes LogoDie Kommunikationsstrategie (oder wie soll man das nennen?) von Full Tilt Poker bleibt undurchschaubar, auch wenn Hausanwalt Jeff Ifrah die Onlinepokergemeinde seit einigen Tagen über das Pokerforum TwoPlusTwo.com mit so etwas Ähnlichem wie Informationen versorgt. Ausgerechnet vom US-Wirtschaftmagazin Forbes wurde gestern eine nagelneues Statement von Full Tilt Poker veröffentlicht, das nach Auskunft von Ifrah eigentlich bei Pokerstrategy.com hätte landen sollen. Alles klar soweit?

Das Statement:

Wie aus den Nachwirkungen der Ereignisse vom 15. April klar deutlich zu ersehen ist, war Full Tilt Poker nicht auf die weitreichende Dimension vorbereitet, die die verschärften Maßnahmen der US-Regierung am Black Friday zeitigten.

Die Ereignisse des Black Friday folgten vorausgegangenen Aktivitäten von Regierungsseite sowie einem großangelegten Diebstahl. Im Lauf der letzten zwei Jahre vor Black Friday beschlagnahmte die US-Regierung Spielergelder in Höhe von etwa $ 115 Millionen, die auf US-amerikanischen Banken liegen. Während wir davon ausgingen, dass das Angebot von Onlinepoker für Spieler gegen Spieler (im Original: „peer-to-peer“, K.K.) nicht gegen Bundesgesetze verstieße – eine Annahme, die durch viele solide und wohlbegründete Rechtsgutachten gestützt wurde –, nahm das Department of Justice einen anderen Standpunkt ein. Wie allgemein bekannt, stahl darüber hinaus ein wichtiger Zahlungsprozessor Full Tilt Poker etwa $ 42 Millionen*. Bis zum 15. April hatte Full Tilt Poker diese Verluste stets abgedeckt, so dass kein Spieler je davon betroffen wurde. Schlussendlich erlebte Full Tilt Poker von Ende 2010 bis Anfang 2011 noch nie dagewesene Probleme mit den Prozessoren einiger Drittanbieter, was wesentlich zu den finanziellen Problemen beitrug. Während das Unternehmen noch damit beschäftigt war, die durch diese Prozessoren verursachten Probleme zu lösen, hätte Full Tilt Poker sich niemals träumen lassen, dass das DoJ so vorgehen würde wie es das tat – indem es unseren Global Domaine-Namen beschlagnahmte und die Seite weltweit herunterfuhr.

Seit vier Monaten erkundet Full Tilt Poker aktiv die Möglichkeiten, das Unternehmen mit Hilfe von externen Investoren zu stabilisieren und unsere Spieler auszuzahlen. Mindestens sechs solcher Gruppen, darunter Hedge Fonds, Betreiber von anderen Internetfirmen und Privatinvestoren, sind nach Dublin gekommen um die Angelegenheit in Augenschein zu nehmen. Kürzlich haben wir über eine Investment-Banking-Gruppe einen zusätzlichen Finanzberater beauftragt, uns bei unserer Suche nach einer Bargeldspritze zu unterstützen. Auch soll ein neues Management-Team die Website wiederherstellen und Spielergelder zurückgeben. Während Unternehmungen dieser Art angesichts des aktuellen regulatorischen Umfelds notwendigerweise komplex sind, möchten wir unsere Spieler wissen lassen, dass Full Tilt Poker sich ganz und gar der Rückerstattung ihrer Funds in voller Höhe und der Wiederherstellung des Vertrauens in unsere Aktivitäten widmet.

* Hier dürfte es um die Firma Intabill gehen, deren Inhaber Daniel Tzvetkoff im April 2010 verhaftet worden war und dem DoJ im Zuge eines Deals Details über seine Transaktionen für mehrere große Onlinepokerseiten, darunter auch Full Tilt, geliefert haben soll.

Im Original ist der Artikel zu finden unter http://www.forbes.com/sites/nathanvardi/2011/08/30/full-tilt-poker-makes-its-case-explaining-why-it-has-not-paid-back-players/

Full Tilt LogoDie Medien der Onlinepokerszene sind sich weitgehend einig in der Einschätzung dieses Statements als späten, aber ernsthaften Versuch von Full Tilt Poker, offen mit seinen Kunden zu kommunizieren und zu belegen, dass sich das Unternehmen wirklich um die Auszahlung der Gelder bemüht. Auch die Ankündigung eines neuen Management-Teams wird positiv vermerkt. Mit Sorge allerdings notiert zum Beispiel Wicked Chops Poker, dass Full Tilt „immer noch nicht wieder über eine Lizenz verfügt und nicht agieren kann“. Offensichtlich haben sich ja „sechs potentielle Käufer die Sache angeschaut – und keiner hat die Firma bis jetzt gekauft“. Immerhin sehe es ganz so aus, „als bewege Full Tilt sich in die richtige Richtung. Lasst uns hoffen, dass das nicht zu kleine oder zu späte Schritte sind“.

>> zum Poker-Institut News Archiv